Susann Pásztor:  Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Fred hat eine Ausbildung zum Sterbebegleiter absolviert und stürzt sich voller Idealismus in diese neue Aufgabe. Sein „erster Fall“, Frau Karla Jenner-Garciá, zeigt viel Persönlichkeit und hat ihre festen Vorstellungen, wie diese Begleitung auszusehen hat. Als Fred einmal gewaltig über das Ziel hinausschießt, weist sie ihn unmissverständlich in seine Schranken, doch Hausmeister Klaffki, der am Schicksal seiner Mitbewohner auf seine Weise Anteil nimmt, verhilft Fred zu einer zweiten Chance. Unterdessen wird sie regelmäßig von Phil besucht, Freds Sohn, der für Karla auf deren Wunsch hin ihre zahlreichen Fotos auf dem PC archiviert. Phil baut ebenso eine Beziehung zu der Todkranken auf, doch auch das Verhältnis zu seinem Vater, der seit sechs Jahren mit ihm alleine lebt, gewinnt enorm.

Susann Pásztor, selbst Sterbebegleiterin, schreibt fundiert und unglaublich einfühlsam. Sie macht eindeutig klar, um wen es hier hauptsächlich zu gehen hat, doch wirbt sie in hohem Maße auch für den Respekt vor existentiellen Entscheidungen und um ein Sterben in Würde.

Empfehlung unserer Mitarbeiterin Iris Hennes

 

 

Zsuzsa Bánk : Schlafen werden wir später

682 Seiten Schlafen werden wir später von Zsusza Bánk sind eine Zumutung! Tut sie euch an, Mädels, besonders ihr, weil es bei diesem ausschließlichen und intensiven Mailaustausch vor allem um die berühmten  (und manchmal berüchtigten) "Frauenthemen" geht: Männer, Kinder, Hausarbeit... Bei aller Unterschiedlichkeit der Protagonistinnen besticht die Tiefe ihrer Freundschaft und des gegenseitigen Verständnisses. Auch zu Annette von Droste-Hülshoff - mir bisher ein weißes Blatt - kriegt man einen Bezug. Die beiden Freundinnen Johanna und Márta mit ihren menschlichen und räumlichen Umwelten gehen mir nur schwer aus dem Kopf!

Empfehlung unserer Mitarbeiterin Anna-Maria Jansen

 

 

Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen

Maja Lunde, Jahrgang 1975, geboren in Norwegen, hat bisher erfolgreich Kinder- und Jugendbücher geschrieben. Mit dem Buch „Die Geschichte der Bienen“ hat sie ihren ersten Roman für Erwachsen geschrieben, und ich hoffe, dass noch weitere folgen werden!

Der Einstieg in das Buch ist gut gelungen. Man wird sofort in das Leben der ersten Hauptperson (Tao) hineingezogen. Keineswegs schreib die Autorin nur eine Geschichte über Bienen, sondern man wird mit diesem Buch in den Bann dreier Personen und deren Geschichte hineingezogen, in deren Leben natürlich Bienen eine große Rolle spielen. Sie leben in unterschiedlichen Jahrhunderten und Bienen spielen in ihrem Leben ganz unterschiedliche Rollen.

Mitreißend und ergreifend erzählt die Autorin von Verlust und Hoffnung, vom Miteinander der Generationen und der Verbindung zwischen Menschen und Bienen.

In loser Reihenfolge taucht man in die Geschichte von George (England, 1852), von William (USA, 2007) und Tao (China, 2098) ein. Ich hatte nicht das Bedürfnis, Kapitel bzw. eine Person zu überspringen. Die Kapitel sind kurz, die Spannung gut aufgebaut und die Geschichte ist mitreißend erzählt. Langeweile kommt in diesem Buch nicht auf, da alle drei Hauptpersonen einen anderen Zugang zu Bienen haben. Und man muss kein Imker sein, um das Schicksal der Bienen zu verstehen.

Der Inhalt hat mich tief berührt und stimmt sehr nachdenklich. Es gibt immer weniger Bienen, sie sterben durch Umwelteinflüsse, letztlich durch den Menschen.
Es bleibt zu hoffen, dass es nicht soweit kommen wird, wie im Teil der Geschichte aus der Zukunft beschrieben wird.

Dass am Ende alle Fäden zueinander finden, ist die gelungene Krönung eines unglaublich tollen Romans!

Empfehlung unserer Leserin Martina Kirch